Die verHUNDSTE Leine

Wir alle kennen Sie – die unausgesprochenen Gesetze zwischen uns Hundehaltern. Manche werden selten oder gar nicht eingehalten und teilweise sogar kontrovers diskutiert. Eines davon ist das Thema: Anleinen. Mehr dazu findet Ihr hier.

In den letzten Jahren hat SIE immer wieder für Gesprächsstoff gesorgt. Es wurde viel diskutiert, scharf kritisiert und teilweise sogar böse gelästert. Nein, wir sprechen hier nicht über Politik oder den nächsten Modetrend, sondern über etwas das zur Grundausstattung eines jeden Hundebesitzers gehört – die Leine.

 

Der bittere Beigeschmack

Sie wird als Gefängnis betitelt und raubt unseren Vierbeinern die Freiheit. Ein gut erzogener Hund benötigt natürlich überhaupt keine Leine.  Sie sorgt für schlechtes Sozialverhalten und zeigt außerdem, dass der vorbeikommende Vierbeiner sehr aggressiv ist. 

Heutzutage sorgt allein das Wort, unter vielen Hundebesitzern, bereits für einen bitteren Beigeschmack. Doch, entspricht das auch tatsächlich der Wahrheit?

Trügerischer Schein

Leine gleich Gefängnis. Im Freilauf entscheidet unser Vierbeiner selbst, wo und wie lange er schnüffelt, auf welcher Seite und mit welchem Tempo er läuft. Er ist frei! Jedoch ist die Leine deswegen noch lange kein Gefängnis. Schließlich nehmen wir Kinder, zu ihrer eigenen Sicherheit, auch ab und zu einmal an die Hand. Ist das Freiheitsberaubung? Ich denke nicht. Sicherlich, das ist definitiv nicht von der Hand zu weisen, wird der Bewegungsradius unseres Vierbeiners an der Leine minimiert. Doch von einer totalen Freiheitsberaubung ist das Meilenweit entfernt. Wir trennen beispielsweise Trainingseinheiten strikt von unseren normalen Spaziergängen. Bei Letzterem kann, trotz Leine, ausgiebig geschnüffelt und auch manchmal die Seite gewechselt werden. Auf diese Weise bleibt weder die Freiheit noch der Spaß gänzlich auf der Strecke.

Mein Hund hört aufs Wort – der braucht also gar keine.  Egal, ob im Freilauf oder an der Leine, Leni orientiert sich zwischenzeitlich immer mal wieder an mir und sucht Blickkontakt. Bisher (toi toi toi) ist sie unter starker Ablenkung oder höherem Geräuschpegel immer abrufbar gewesen. Trotzdem benutzen wir eine Leine. Warum? Na ganz einfach. Was in Leni’s Kopf letztendlich vorgeht, weiß nur sie selbst. Es gibt keine Garantie, dass sie sich nicht doch einmal entscheidet zu einem angeleinten potenziellen Spielkameraden hinzulaufen oder sie sich beispielsweise vor einem hupenden Auto erschreckt und auf die Straße springt. Besonders das letzte Beispiel wirkt, zumindest auf mich, wie ein Spiel mit dem Feuer. Ich kann auf  Verbrennungen gut verzichten, deswegen wird Leni in solchen Situationen einfach angeleint.

Die Leine macht meinen lieben Hund bestimmt ganz aggressiv. Der alltägliche Gebrauch einer Leine wird keinen Hund dieser Welt in eine Tötungsmaschine verwandeln. Sicherlich ist es für unsere Vierbeiner an der Leine schwer bis fast unmöglich vernünftig mit einem anderen Artgenossen zu kommunizieren. Das kann dann wiederum zu problematischen und angespannten Situationen führen. Euer Vierbeiner fühlt sich mit Hundekontakt an der Leine unwohl und die gegenüberliegende Partei leint Ihren nicht ab – nun ja die einfachste Lösung ist: gemeinsam aneinander vorbeizugehen.

Zum Schluss bleibt nun nur noch die Frage – was kann die Leine überhaupt? Etwas ganz wichtiges. Sie kann eine Sicherheits- und Schutzzone für dich und deinen Vierbeiner während der Läufigkeit, einer Krankheit oder in banalen Alltagssituationen schaffen.

Die Leine ist ein notwendiges Übel? Notwendig, ja. Übel, nein. Der Schein trügt!

 

Rücksicht ist das A und O

Einige von euch werden sich nun sicherlich verstanden fühlen oder eventuell sogar umdenken, andere wiederum nicht. Genau das bringt uns auf einen weiteren wichtigen Punkt. In einem Streit können wir beispielsweise auch nicht immer jede Argumentation oder Sichtweise unseres Gegenübers völlig nachvollziehen. Gar nicht schlimm, denn mit ein bisschen Fingerspitzengefühl und Rücksicht ist die Lösung meist nicht mehr fern. Im Prinzip verhält es sich mit der Leine ganz genauso.

Wir tragen die Verantwortung für unseren Vierbeiner, richtig? Das bedeutet wir erziehen, pflegen und lieben sie. Diese Verantwortung bezieht sich allerdings nicht nur auf unseren eigenen Hund, sondern auch auf unsere Mitmenschen, fremde Hunde und andere Tier. Deswegen ist die Rücksichtnahme für uns als Gemeinschaft unerlässlich.

Fazit: Lasst euren Hund bitte nicht auf einen Angeleinten zulaufen. Nehmt ein bisschen Rücksicht aufeinander. Denn das erspart sowohl euren, als auch anderen Vierbeinern und Besitzern jede Menge Stress.

 

Wir, als Hundehalter, sollten uns gegenseitig doch eigentlich am besten verstehen. Letztendlich sind wir nicht alle gleich, aber uns verbindet eine Sache – unsere Vierbeiner.

Natürlich sind wir alle nicht fehlerfrei. Davon kann sich nun wirklich niemand freisprechen. Mir selbst ist vor kurzem erst etwas Ähnliches passiert. Wir gehen um eine Kurve im Wald und zack, plötzlich steht ein angeleinter Hund vor uns. Eine kurze Entschuldigung und ein verschämtes Lächeln später hatte sich die Sache, wie von selbst, erledigt.

In unserem Alltag werden wir immer wieder mit fremden Vierbeiner und Besitzern aufeinandertreffen. Warum gestalten wir uns das Ganze dann nicht so einfach wie möglich anstatt es einander so schwer zu machen? Ein bisschen Rücksichtnahme und Verständnis schadet niemandem. Im Gegenteil, es macht das gemeinsame Miteinander für uns alle, sei es Mensch oder Tier, ein Stückchen einfacher. Im Einzelfall ist die Leine für dich vielleicht nur Dekoration oder ein notwendiges Übel. Für Andere kann sie aber ein Sicherheitsnetz oder Trainingsmittel sein. Letztendlich sind diese Hintergründe auch völlig irrelevant. Wirklich wichtig ist, dass wir uns für ein harmonisches Miteinander und ein bisschen Rücksichtnahme entscheiden. Genau das, kann manchmal mit der Leine schon beginnen.

 

Ann-Christin

Schreibe einen Kommentar