Schublade auf – Schublade zu

Vorurteile. Jeder besitzt sie, kennt sie oder hat sie (meist ungefragt) schon einmal zu spüren bekommen. Natürlich werden auch unsere Vierbeiner davon nicht freigesprochen. Welche uns und unserem Umfeld bisher begegnet sind, lest Ihr hier.

Wir schlendern durch den Wald. Die Sonne scheint und der Wind weht durch die grünen Blätter der Bäume. Stille. Wir genießen unsere erste Spazierrunde des Tages. Von weitem kommt uns ein anderer Hundehalter entgegen. Die Hunde spielen. Wir unterhalten uns und plötzlich… da sind sie wieder. Die Vorurteile! Wer kennt es nicht?

Nicht nur wir Menschen stecken uns gerne in die ein oder andere Schublade. Auch unsere Hunde finden sich aufgrund ihrer Rasse plötzlich darin wieder.

Wir haben uns in unserem Bekanntenkreis umgehört und räumen mit den Vorteilen auf.

#1 Mops

Wusstet Ihr schon? Der Mops ist absolut unsportlich, viel zu dick, auf Ausflügen völlig unbrauchbar und nicht gerade intelligent.

Ich werfe mal einen Blick auf unsere „Mopsfreunde“.

Es wird mit Leni im Wald um die Wette geflitzt und getobt.

Leckerchen sind gern gesehen und nach einem mehrstündigen Spaziergang (ja, auch die Möpse laufen mit) liegen alle Hunde hechelnd im Auto. Sie sind müde!

  • Upps, ist Leni jetzt auch ein Mops? Da muss ich wohl noch einmal ein Wörtchen mit ihrem Züchter reden. Beschwerdebrief folgt.

#2 Französische Bulldoggen

Wusstet Ihr schon? Die Französische Bulldogge ist unsportlich, gefährlich und sowieso nur krank.

Ich werfe mal einen Blick auf die Frenchies in unserem Bekanntenkreis.

Fiete, Emma (beides Französische Bulldoggen) und Leni liegen nebeneinander auf dem Boden. Es wird ausgiebig gespielt und durch den Garten gerannt.

  • Puh, Unsportlichkeit lässt grüßen.

Standesgemäß werden danach natürlich noch die Ohren des jeweils anderen inspiziert und sauber geleckt.

  • Ganz gefährlich.
Leni & Fiete im Kuschelmodus

Weiter geht’s. Wir fahren auf unser Lieblingsfeld. Dort kommt uns ein anderer Rüde entgegen. Fiete, ganz cool und abgeklärt, geht sofort freundlich auf diesen zu. Die erste Spielaufforderung folgt.

  • Darf ich vorstellen? Ein gesunder, liebevoller und sportlicher Frenchie Rüde. Hallo Fiete!

#3 Ungarischer Vizsla

Wusstet Ihr schon? Ein Vizsla, wenn er denn als solcher erkannt wird (oft sind es „Ridgeback`s aber ohne diesen Streifen auf dem Rücken“) kann unmöglich von einer Privatperson gehalten werden. Der hat schließlich einen viel zu starken Jagdtrieb und erlegt alles, was ihm vor die Nase läuft. Mit Kindern im Haus geht das sicherlich nicht gut.

  • Immer diese Vorstehhunde (der Name sagt eigentlich schon alles), die nichts anderes im Kopf haben als die Jagd und das Toten.

Das trifft sich gut. Denn Leni’s liebster Hundekumpel ist Nando – ein Vizsla. Die vielen Kuschel- und Spielbilder, die ich vom Frauchen mit Kind geschickt bekomme, sprechen für sich.

  • Da mag doch einmal jemand diese Jagdhunde verstehen.
Leni & Nando – trotz Feld und Wiese weiterhin auf uns konzentriert

#4 Klein bis Groß und Blau bis Schwarz

Wusstet Ihr schon? Nicht nur anhand der Rassen wird gerne mal eine Schublade aufgezogen. Auch die Größe eines Hundes bietet genügend Raum für so einige Vorurteile.

Wusstet Ihr, dass kleine Hunde wenig bis gar keinen Auslauf benötigen? Schließlich sind die Beine viel zu kurz.

Erziehung? Wofür? Die kleinen Fußhupen sind doch sowieso keine richtigen Hunde.

Wusstet Ihr, dass große Hunde mit Vorsicht zu genießen sind. Schließlich passt so einiges in Ihren Mund.

  • Klar, mein Labrador verspeist gerne zum Frühstück einen kleineren Hund und für den Snack danach eben auch den dazugehörigen Besitzer.

Außerdem können die nirgendwo mithin. Unter welchen Tisch sollen die denn passen?

  • Schon einmal einen Labrador gesehen der sich so klein macht, dass er in das Körbchen eines Havaneser`s passt? Ich schon!

Achtung. Eine wichtige Eilmeldung folgt. Kleine und große Hunde können nicht Zusammenleben oder miteinander spielen. Das kann einfach nicht gut funktionieren.

Leni & Bailey - wie, wir sind nicht gleich groß?
Leni & Bailey – Größenunterschied, was ist das denn?

Doch nicht nur die Größe eines Vierbeiners ist entscheidend für sein Verhalten. Die Fellfarbe spielt hier ebenfalls eine wichtige Rolle.

Ein weißer Hund wird schneller dreckig, als ein Brauner.

  • Kann mir das jemand bitte erklären?

Bei schwarzen Hunden wird lieber einmal die Straßenseite gewechselt, die sind schließlich böse.

  • Leni und Fiete (beide mit einer schwarz Fellfarbe), die auch Blau oder Orange sein könnten und es wäre Ihnen trotzdem noch immer nicht bewusst.

 

Last but not least.

#5 Der Labrador Retriever

Wusstet ihr schon? Der Labrador ist viel zu dick, unsportlich und erzieht sich von selbst. Waldspaziergänge? Undenkbar, der rennt doch jedem Tier hinterher. Es ist ja schließlich ein Jagdhund.

  • Darf ich vorstellen? Leni, eine schlanke Labradorhündin, die gerne Joggen geht, schwimmt, Bälle apportiert und das alles auch noch im Wald. Geht nicht? Gibt`s nicht!
Unsportlich oder dick, wir? Nö!
Unsportlich oder dick, wir? Nö!

 

Die Definition eines Vorurteils ist laut Duden: „Ohne Prüfung der objektiven Tatsachen voreilig gefasste oder übernommene, meist von feindseligen Gefühlen gegen jemanden oder etwas geprägte Meinung.“ (Gefunden auf: www.duden.de)

Stimmig und selbsterklärend zugleich, wie ich finde.

Geht es nach den Vorurteilen anderer Menschen wäre Leni unsportlich und nicht fähig sich, ohne Leine, frei im Wald zu bewegen. Moment! Eigentlich wäre sie überhaupt kein Labrador. Schließlich ist sie schlank und nicht dick! Ich, ihre Besitzerin, wäre eine dumme (denn ich bin eben blond) und junge Frau, die einen großen Hund sowieso nicht erziehen kann.

Setzen sechs, liebe Vorurteils-Flüsterer! Leider müssen wir euch enttäuschen.

Letztendlich passen weder wir Menschen noch unsere Hunde in eure vorgefertigten Schubladen. Genau das ist wichtig, denn keiner gleicht dem Anderen und das macht uns alle gleichermaßen einzigartig. Ihr denkt von unseren Vierbeiner können wir nichts lernen? Ich sage, doch! Denn, unseren Hunden ist es nicht wichtig, wie wir Aussehen oder zu welcher Rasse ein unbekannter Hund gehört. Wichtig ist lediglich die soziale Kompetenz und Kommunikation untereinander. Wirklich simpel und für manche Menschen dennoch unfassbar schwer.

Macht euch frei von diesen Schubladen. Schließlich existieren diese, schlicht-und-ergreifend, nur in eurem Kopf.

Vielleicht versteht Ihr dann das, was unsere Hunde schon lange wissen…

 

Es ist unmöglich eine Schublade einfach aufzuziehen. Nein, vielmehr müssen wir für jeden Menschen und Vierbeiner eine ganz Neue anlegen.

 

Ann-Christin